MUAH – Dresden

1. Stell dich bitte kurz vor.
Ich heiße mit bürgerlichem Namen Anett Bauer, bin 1986 geboren und lebe in Dresden. Hier arbeite ich unter dem Labelnamen MUAH als freischaffende Künstlerin im Bereich Bildende Kunst mit Schwerpunkt Siebdruck und Graffiti.

2. Wie kamst du dazu Poster zu gestalten und warum hauptsächlich mittels Siebdruck?
Während meines Studiums habe ich die Technik Siebdruck kennen- und lieben gelernt und immer wieder Grafiken und T-Shirts bedruckt. Die Gigposterszene lernte ich mit der Colored Gigs Rockpostershow in Dresden kennen, wo ich in den ersten Jahren eifrig Besucher und Käufer war und seit einigen Jahren nun selbst ausstellen darf. Digitale Layouts und Postergestaltung gehören schon länger zu meinen Nebentätigkeiten und irgendwann hab ich dann angefangen, die Poster einfach selbst zu drucken, weil ich den Sonderstatus des Gigposters als Kunstdruck sehr schätze und man viel mehr Leute erreichen und glücklich machen kann als auf dem Kunstmarkt und in Galerien. Die Technik des Siebdruckens selbst bietet mir die Möglichkeit einerseits unkompliziert Auflagen drucken zu können und trotzdem den Reiz des Experimentierens und Ausprobierens z.B. beim Farben mischen nicht zu verlieren.

3. Bist du Autodidakt oder hast du eine einschlägige Ausbildung / Background?
Ich habe bis 2011 Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studiert und war danach 3 Jahre Meisterschülerin. Im Zuge des Studiums konnten wir Kurse zu den Druckgrafischen Techniken absolvieren, u.a. auch im Siebdruck. In der gut ausgestatteten Hochschulwerkstatt und bei der besten Werkstattleiterin Irina bin ich dann an der Technik hängengeblieben.

4. Kannst du vom Postermachen / Drucken leben oder was sichert deinen Lebensunterhalt?
Da ich erst Frischling im Rockposterbuisness bin sichert mir das noch keinen Lebensunterhalt, aber es trägt dazu bei. Hauptsächlich verkaufe ich die Produkte, die ich als MUAH herstelle – Sticker, Grafiken, Stofftiere, T-Shirts etc; ich arbeite als Illustratorin und teilweise auch im Bereich Grafikdesign und ich bin Teil von mehreren Projekten im Kunstbereich, die mit Fördergeldern arbeiten. Ab und zu gestalte ich auch mal Bühnen zu Festivals und Konzerten. MUAH ist ziemlich vielfältig unterwegs.

5. Wie sieht dein Arbeitsablauf in Kurzform aus? Welche Werkzeuge und Hilfsmittel verwendest Du?
Meist habe ich eine Grundidee zu Poster und Band – Anhand der Musik und dem Auftreten der Musiker – und versuche diese dann umzusetzen. Das passiert machmal digital, manchmal mit Farbe, Pinsel, Stiften und Schere, oft Beides in Kombination. Mein Stil ist nicht festgelegt, allerdings versuche ich meist weniger grafisch und mehr malerisch an ein Bild heran zugehen und dabei Eigene Formen zu entwickeln. Meinen Druck-Arbeitsplatz bastle ich mir stetig größer und besser zusammen. Ich drucke relativ Lofi, d.h. ohne Siebdrucktisch und ausgewaschen wird in der normalen Dusche. Dadurch geht nicht immer alles ganz glatt, was mich aber meist eher freut, weil kleine Fehler oder Unerwartetes neue Ideen mit sich bringen und jeder Druck für sich etwas Spezielles wird.

6. Wer sind Deine Vorbilder, wer hat Dich beeinflusst, wen siehst Du als wegweisenden Poster-Artist an und von wem bist Du einfach Fan?
Grundsätzlich bin immer Begeistert von allen, die in dem Metier arbeiten und den Siebdruck ernsthaft betreiben. Mein erstes Buch über Siebdruck war der Pflastersteingroße Band „Art of modern Rock“ und viele der dort aufgeführten Künstler haben mich beeindruckt. Viel Einfluss kommt aber sicher auch von Malern wie Peter Doig, Daniel Richter, Baselitz, Hockney und auch Matisse oder Kirchner. Da ist die Bandbreite sehr groß und es kommt immer wieder Neues dazu.

7. Wie siehst Du das Rockposter heute: Merchandise, Kunstdruck oder nach wie vor Ankündigungsmedium?
Die Szene ist ja relativ überschaubar, was Ihr aber meiner Meinung nach den „Exoten“ Status verleiht und zu etwas sehr Besonderem macht. Gigposter sind definitiv wertvolle Kunstwerke, da sie ja fast immer limitiert und handgedruckt sind und vom Künstler selbst auch viel drinsteckt. Ich denke das wird auch vom Publikum und den Bands (ich kann nur aus Erfahrung mit dem Deutschen Publikum sprechen) honoriert. Die meisten Musiker fühlen sich sogar geehrt, wenn man selbst anfragt, ob man ein Poster machen darf. Ich hoffe diese Einzigartigkeit der Szene bleibt noch lange so.

8. Wo kann man deine Sachen bekommen?
Auf Design- und Kunstmärkten (derzeit in Dresden, Leipzig und Berlin), über einfaches Fragen per Mail oder über meinen Shop bei Etsy: Muahstuff.