Idlebeats – Shanghai | Dresden

idlebeatsIm Frühjahr 2009 von der chinesischen Grafikerin Nini Sum gegründet, ist IdleBeats das erste Studio in China welches den Schwerpunkt auf das Entwerfen und Drucken von künstlerischen Konzertplakaten legt.
Anfangs von Nini allein als Nebenprojekt betrieben, stiess ein dreiviertel Jahr später der Dresdner Posterkünstler Gregor Körting dazu. Seitdem entwickelt sich das Studio mehr und mehr zu einer Institution innerhalb des Subkulturbetriebes von Shanghai. Als drittes Mitglied ist Clemens Reinicke nicht vergessen zu erwähnen. Welcher von Dresden aus Plakatgestaltungen oder auch gelegentlich, für Konzertveranstaltungen in Europa bestimmte, Druckanforderungen übernimmt.
IdleBeats hat sich vom absoluten Nichts aus sich selbst heraus erschaffen. Anfangs druckte man noch in der zum Studio umfunktionierten Tiefgarage eines Hochhauses auf einem wackeligen Ikea Tisch, hängte die Plakate zum Trocknen an Wäscheleinen auf und reinigte Siebe unter dem Wasserhahn. Nach und nach ist daraus ein vollständig ausgestattetes Serigrafie-Studio in den hellen Räumlichkeiten eines 30er Jahre Mietshauses im Zentrum von Shanghai, enstanden. Doch eines hat sich nicht verändert, sämtliche Vorlagen werden nach wie vor von Hand erarbeitet und gedruckt. Lediglich für die Separierung der einzelnen Farbebenen bedient man sich der Computertechnik.
Aufgrund des kulturellen Hintergrunds und des Umstands, dass die alternative Musikszene in China noch vergleichsweise jung ist, sind die äusseren Bedingungen für die Kunstform-Gigposter sehr verschieden im Vergleich zur Szene in den USA oder Europa. Das Medium ist selbst bei Musikern und Konzertveranstaltern nahezu unbekannt, welches von beiden Künstlern eher als Chance, neue Wege zu gehen, verstanden wird. Tatsächlich ist es IdleBeats gelungen innerhalb zweier Jahre eine ganze Reihe von Postern für lokale Bands und anderer Underground Musikveranstaltungen zu kreieren. Darüber hinaus sind Plakateditionen für international bekannte Bands wie u.a. Crystal Stilts, Moon Duo, Handsome Furs oder Deer Tick entstanden.
Mittlerweile ist das Studio von einer Liebhaberei neben dem regulären Broterwerb als Buchillustrator und Grafikdesigner, zur bezahlten Vollzeitbeschäftigung für Nini Sum und Gregor Körting geworden. In erster Linie wird das Gigposter als Solches von den Künstlern in seiner ursprünglichen Funktion als Ankündigungsmedium gesehen. Darum ziehen Gregor und Nini auch dann und wann durch die nächtlichen Strassen um einen Teil des Schubes von Plakaten für anstehende Veranstaltungen zu verkleben und damit dem genannten Zweck zuzuführen. Doch ist natürlich beiden klar, dass es sich hierbei eher um eine Form von Streetart handelt, da die promotionale Effizienz in keinerlei Verhältnis zum Aufwand steht. So einig wie man sich bei IdleBeats in der Zielsetzung ist, die glattgebügelte und vom Mainstream zugekleisterte Musikkultur in China mit eigenen Akzenten zu unterwandern, so individuell sind die Herangehensweisen im grafischen Bereich und der künstlerische Werdegang der Macher von IdleBeats.
Während Nini Sum eine Hochschulausbildung in Grafikdesign abschloss und Clemens Reinicke sein Diplom an der HfbK in Dresden machte, hat sich Gregor Körting sämtliche Kenntnisse autodidaktisch angeeignet. Jedoch waren bei allen dreien, mit Filzstiften gezeichnete und handcollagierte Schwarz-weiss-Vorlagen welche anschliessend als Fotokopien ihren Weg in die Klubs und an die Häuserwände, die ersten Annäherungsversuche an das Thema Konzertplakat. Zum Siebdruck fand man durch Kurse in den jeweiligen Ausbildungen und / oder den Kontakt zu anderen Künstlern, welche bereits mit dieser Technik arbeiteten. Besonders für Gregor war die Mentorschaft durch den renommierten Dresdner Plakatkünstler Lars P. Krause ausschlaggebend sich dieser Richtung vollends zuzuwenden. Auf längere Sicht hinaus will sich IdleBeats als Plattform und Impulsgeber für die DIY-Kultur in China etablieren. Dafür veranstalten sie Workshops und arbeiten mit vielen weiteren Künstlern in Asien zusammen um das Feld für handgemachte Konzertplakate und künstlerische Druckgrafiken allgemein, in China urbar zu machen.