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posterkrauts-logo-4cPosterkrauts.de

Was soll denn das sein?
Posterkrauts.de wurde gemeinsam von den Gig Poster KünstlerInnen Antje „Grace Helly“ Schröder, Bernd „Señor Burns“ Hofmann, Lars „Douze“ P. Krause, Jochen „Fritte“ Moenig und Torsten „Mitchum D.A.“ Jahnke aus der Taufe gehoben.
Das Ganze ist ein Web-Portal, entstanden aus der Idee, deutschsprachigen Gestaltern von limitierten Konzertpostern eine Plattform zu bieten, ihre Werke zu zeigen und die Öffentlichkeit auf diese besondere Art der Originalgrafik aufmerksam zu machen.

Posterkrauts.de ist aktuell im Aufbau begriffen. Einiges ist noch „under construction“, bzw. im Planungsstadium. Deshalb am besten einfach ein Bookmark setzen, den RSS Feed abonnieren und immer mal wieder vorbeisurfen.

Gruß
die Posterkrauts


 

Was es mit den Gigpostern auf sich hat, erklärt ein Text von Christian Curschmann, den er 2011 für die Erstausgabe der Posterzeitung “Das Räkel” verfasste:

Das Phänomen, spezielle Plakate für ausgesuchte Konzerte hochwertig zu entwerfen und in limitierter Form in aufwendigen Druckverfahren herzustellen, ist seit den späten Sechziger Jahren vor allem in den USA verbreitet und erfreut sich seitdem zunehmender Beliebtheit. Damals entwarfen inzwischen legendäre Künstler wie Victor Moscoso oder Stanley Mouse psychedelisch-poppige Plakate für Bands der aufstrebenden Alternative-Musik-Kultur. Diese waren weit entfernt von banaler Werbung und wandten sich an ein spezielles Publikum. Seit langem gelten solche Plakate als Ikonen der Pop-Kultur der 60er Jahre und als eigenständige Kunstform.
Ausgestattet mit diesen Erfahrungen hinzukommender Punkästhetik, Pop- und Op-Art-Look und aktuellen grafischen Strömungen, erlebten solche Gigposter seit den frühen Neunzigern ein bis heute ungebrochene Renaissance, die gerade in den USA seit geraumer Zeit eine ungeheure Posterart-Welle in Gang setzte. Aber auch hierzulande führten die fehlende Greifbarkeit von Musik und die auf Daumennagelgröße geschrumpften Cover-Artworks infolge der musikalischen Digitalisierung zu einer andauernden Begeisterung für handgemachte Konzertposter, zumal das Konzert als Erlebnis für den Musikkonsumenten (und als Einnahmequelle für die Musiker) an Bedeutung gewonnen hat.
Gigposterkünstler sind zumeist Leute, die aufgrund ihrer Liebe zur Musik die Idee entwickelten, Konzertposter per Hand anzufertigen, oft sogar um ihre eigene Band zu promoten. Grundsätzlich entspringt die Gigposterszene also der DIY-Bewegung, wo ein jeder mit einfachsten Hilfsmitteln seine Ziele verwirklicht und sich einbringt. Mag dies anfangs noch mittels Schere, Leim und Kopiergerät mit Schwarzweiß- Flyer begonnen haben, so entdeckten viele Einzeltäter in der ganzen Welt bald die Möglichkeiten des farbigen Siebdrucks. Der Druck mit verschiedenen Sieben erlaubt lediglich eine geringe Anzahl an Druckexemplaren, da sich die Sieb zusetzen und reißen können. Das führt auch dazu, dass kaum ein Plakat dem anderen im Detail gleichen dürfte. Somit ist jedes einzelne Plakat ein Kunstwerk für sich und kann trotz aufwendiger Produktion für vergleichsweise wenig Geld erworben werden.

Solche limitierten und signierten Gigposter erfreuen sich daher auch einer großen Beliebtheit in einer weltweiten Sammlerszene. Hierbei geht es also nicht um tausendfach gedruckte Tourposter für diverse Bands, sondern um streng limitierte, künstlerisch hergestellte, individuelle Konzertposter, die meist einzelne Event illustrieren. Längst sind solche Plakate nicht mehr nur ein Werbemedium und Gebrauchskunst, sondern gefragte Sammlerstücke, jenseits von Bandmemorabilia fürs Jugendzimmer, die nicht selten in renommierten Galerien der Welt gezeigt werden. Neben dem klassischen Entwerfen per Hand, Stift und Papier spielen heutzutage Computer-Tools eine wichtige Rolle, mit denen die Skizzen z.B. koloriert, verfeinert oder separiert werden können. Trotz solcher Hilfsmittel ist das Entwerfen und vor allem Drucken immer noch ein klassisches, künstlerisches Handwerk. Gerade auch dieser Umstand, im Gegensatz zum seelenlosen, unendlich reproduzierbaren Digitaldruck macht den Wert und den Reiz von Gigpostern aus.
Auf solchen Plakaten wird nicht nur das übliche Bandporträt oder Plattencover mit Einheitslogo dargestellt, sondern hier zählt eine künstlerische Idee fernab von Marketingstrategien. Daher sind Gigposter eben nicht nur bunte Merchandise-Artikel, sondern sie verkörpern den jeweiligen Zeitgeist und sind ein Hort zahlreicher Ideen, Anspielungen oder Witze zur dargestellten Musik in Form von durchdachten Illustrationen. Das Spannende an diesen Plakaten ist nicht nur das Phänomen Teil der Pop- Kultur zu sein, sondern die unglaubliche Vielfalt. Von kleinen Undergroundbands bis hin zu Stadiongiganten reicht die gezeigte Bandbreite. Ebenso vielfältig und bunt ist die heutige Szene der Gigposterkünstler, die längst nicht mehr nur in den USA beheimatet sind, sondern verstärkt auch in Europa und speziell Deutschland ihre jeweils eigenen Designideen mit ihren künstlerischen Eigenheiten umsetzen. Auch hier gibt es also eine homogene, unter einander vernetzte Posterartszene, die sich zur Flatstock beim Reeperbahnfestival und vielen anderen Ausstellungen trifft, sich austauscht und letztlich in Eigenregie diese Zeitung herausgibt. Alle Neune stellen sich und ihr Werk vor. Natürlich sind sie nur ein Teil des Ganzen, so einige andere kreieren seit Jahren ähnliche Poster und weitere sitzen bereits in den Startlöchern um dereinst ebenso zu räkeln.
© 2011 Christian Curschmann